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Artikel

SO, WIE WIR LEBEN. Über die Fotokunst von Iwan Baan

Eine Ausstellung des niederländischen Fotografen Iwan Baan trägt den Titel »The Way We Live«. Er zählt zu den weltweit einflussreichsten Architekturfotografen der Gegenwart und ist dafür bekannt, dass er den Menschen in den Mittelpunkt stellt und mit ihm die Frage: Wie leben wir zusammen? Baan interessiert sich für Orte und öffentliche Räumen und für das, was Menschen dort machen. Er hört auf andere Stimmen, nicht weil sie exotisch sind oder weit hergeholt, sondern weil sie zeigen, wie schwierig es sein kann, Selbstverständliches ins Auge zu fassen und die Verwirrungen, die entstehen, wenn Menschen Gebäude bewohnen. In einer Zeit, in der die Politik Verzweiflung hervorruft, scheint es angebracht, unsere Aufmerksamkeit erneut auf die Art und Weise zu richten, wie wir unsere Welt bewohnen. Wie und durch welches Medium sollen die Orte dargestellt werden, an denen sich die Menschen treffen, um ihre Anliegen zu besprechen? Wie holt man das Leben in die Architektur zurück?
05.05.2023

Mezzédimi - Der Architekt des Kaisers

MEZZÈDEMI folgt den Spuren des italienischen Architekten Arturo Mezzèdemi, der unter der Herrschaft des letzten äthiopischen Kaisers Hailé Selassié eine außergewöhnliche Kar-riere machte. Der Film handelt von der Vergänglichkeit von Orten, Geschichten und Geschichte, dem prekären Status des Lebenswerks, vom Pathos und Scheitern der Moderne in Äthiopien und der Dekolonisierung unseres Blicks auf Afrika. So entsteht über vier Dekaden ein spannendes Thema in seiner Entwicklung, bei dem der Kaiser das leere Zentrum mar-kiert und die Architektur zur »écriture testamentaire« wird, affiziert von den Toten ...
05.05.2023

Vitruvs Ameisenmühle

Man sagt, Vitruv habe als Erster den technologischen Diskurs codiert und eine Sprache dafür geschaffen. Seine Vergleiche zwischen dem Mechanischen und dem Natürlichen führen weit über die Analogie zwischen dem Kosmos und dem mechanischen Modell dafür hinaus. Vitruvs Maschinen beinhalten den Entwurf eines Raumes, in dem Wind, Wasser und Architektur kommunizieren. Sie führen uns zur Einsicht, dass es einen einzigen und unmittelbaren Kommunikationsraum nicht geben kann, weil sich der “logos” immer aus heterogenen Elementen zusammensetzt. Wie stellt man das Undarstellbare dar? Mit welchen Ereignissen lässt sich eine Ordnung überhaupt finden? Antworten auf diese Fragen liefert die originelle Philosophie der Anfänge und Vielheiten von Michel Serres, die dazu einlädt, Vitruvs Traktat neu zu lesen. Dieses Denken setzt nicht auf perfekte Symmetrien und Gleichgewichte, auf Ordnung, Organisation und Wissen, sondern auf Chaos, Verzweigung und Intuition. Es folgt dem Flug einer Fliege, den Wasserkräuseln und den Spuren von Ameisen...
04.05.2023

Territorien am Rande des Nervenzusammenbruchs

Dieses Buch ist eine Art »Ambi-Balance« gegen die Zerreißproben unserer Zeit und ihren Erschöpfungszustand. Peter Volgger widmet sich den »Territorien am Rande des Nervenzu-sammenbruchs«, die er in unterschiedlichen Bereichen (Ökologie, Freizeit, Migration, Green Deal, Hypertourismus usw.) findet. Diese Territorien affizieren Räume und Subjekte und erwecken den Eindruck, irgendwie aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. In acht Essays arbeitet Volgger Verhältnisse spekulativ um und eröffnet Möglichkeitsräume.
17.03.2023

Guattari`s Bat – Designing an Ecology of Care

The twenty-first century has become an arena of struggle between two seemingly opposing forces: unstoppable technical progress on the one hand and the growing awareness of ecological crisis on the other. Félix Guattari's unfinished concept of ecosophy suggests a theoretical framework for constructing productive syntheses between the ecological and the digital. MAEID, the office for architecture and transmedia art run by Daniela Mitterberger and Tiziano Derme, takes up Guattari’s thoughts, creating performative, 3D-printed, ground-robot gardens, redefining the role of living systems in architecture.
12.02.2023

Die Vermessung des öffentlichen Raums. Über die Fotokunst von Jules Spinatsch

Der Schweizer Fotokünstler Jules Spinatsch stellt seine Kamera auf im Stadtrat von Toulouse, beim Weltwirtschaftsforum in Davos, in einer Jugendvollzugsanstalt, im Headquarter von SAP, in der Frankfurter Börse, im Wiener Opernball oder in einem Fußballstadion. Damit macht er klar, dass Politik und Ökonomie auch im Zeitalter der Digitalisierung noch an identifizierbaren Orten stattfinden.
09.02.2023

Pulp Fiction in den Bergen

Die Architektur der Freizeitindustrie ist ein Katalysator für die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, reisen und sich erholen. Die überdrehte Atmosphäre ihrer Hotspots führt zu einem Realismus außer Rand und Band, der Erhabenes mit Vulgärem vermischt, Zynisches mit Pathetischem, Reales mit Fiktionalem. Der Overtourism ist ein Phänomen, das sich allenfalls mit Mitteln der Rhetorik beschreiben lässt, als Hyperbel, Zitat, Pastige, Replik, Parodie, Travestie oder Plagiat. Die Megatrends in der Branche führen zu neuen Hybridformen von Hotellerie und Immobilienwirtschaft, mit denen Investoren auf den Lebensstil einkommensstarker Kunden reagieren. Trotz des Versprechens von Einzigartigkeit setzt sich eine Architektur der Replikanten durch, die schnell erkennbar und leicht annehmbar ist. In seiner Überartikuliertheit handelt es sich beim Overtourism um das Symptom einer tiefgreifenden Transformation, deren Beschreibung noch unsicher ist. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Branche kann jedenfalls Anlass dafür sein, um über die Überschreitung und Neujustierung eines Systems nachzudenken, das im Dienst des Profits das Begehren orchestriert. PULP Architekt*innen haben die Absurdität des Drehbuchs schon durchschaut ...
07.02.2023

WOHN.RAUM.POLITIK

Ziel des Seminars ist es, auf der Basis der argumentativen Diskursanalyse die Muster der Konstitution der Wohnraumpolitik im alpinen Raum (Nord- und Südtirol) im Spannungsfeld von Wohnbauförderung, Raumordnung und Landschaftsschutz aufzudecken, die zu einer bestimmten Vorstellung von „leistbarem Wohnen“ und zur Legitimierung von Entwicklungen auf diesem Gebiet führen.
06.02.2023

»Guattaris Fledermaus« Entwurf einer Ökologie der Sorge

Das 21. Jahrhundert ist zu einer Arena des Kampfes zwischen zwei scheinbar entgegengesetzten Welten geworden. Eine davon ist der unaufhaltsame techno-logische Fortschritt. Das wachsende ökologische Bewusstsein der Gesellschaft ist der andere Pol. Félix Guattari schafft mit seiner »maschinischen Ökologie« die Grundlage für eine ethisch-ästhetische und zugleich mikropolitische Praxis, die beide Sphären »transversal« durchquert und sich auf ein Anderes hin öffnet. Daniela Mitterberger und Tiziano Derme von MAEID nehmen mit ihren künst-lichen Ökologien und Assemblagen von Mensch, Tier, Pflanze und Maschine diesen Gedanken auf. Sie entwerfen eine lebendige und performative Medien-architektur, die zu neuen Sichtbarkeiten für komplexe Weltbezüge führt und neue Praktiken der Subjektivierung, Kollaboration und Koexistenz be inhaltet. Zugleich bietet sie Ansatzpunkte, die Plausibilität der Techno-Ökologie in den Blick zu nehmen und zu fragen, was der Bezug auf sie der Architektur in der aktuellen Lage verspricht. Würde die Positionierung des Ästhetischen aus-reichen oder sollte man nicht vielmehr ethische Fragen stellen?
04.02.2023

Hacking the Alps!

Die Alpen sind nicht „Natur pur“, sondern eine „operative Landschaft“, die auf der Basis von Infrastrukturen entsteht. Infrastrukturen formen den emblematischen Raum unserer Zeit. Rem Koolhaas meint sogar, sie seien wichtiger wie die Architektur. Der Klimawandel bringt ihre Fundamente ins Wanken und macht aus dem vermeintlich passiven Hintergrund der Bergwelt einen mächtigen Akteur. Zu den Infrastrukturen gehören nicht nur Straßen und Rohrleitungen, sondern auch die zwischen unseren Smartphones zirkulierenden Wellen. Auf der Basis dieses erweiterten Begriffs der Infrastruktur fordert die Architekturtheoretikerin Keller Easterling Architekt*innen dazu auf, nicht ausschließlich „Objekt-Formen“ in die Landschaft zu setzen, sondern das infrastrukturelle Betriebssystem kreativ zu manipulieren. Im Kontext des Klimawandels könnten sich daraus neue Potentiale für den alpinen Raum ergeben …
08.08.2022

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