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Artikel

Pulp Fiction in den Bergen

Die Architektur der Freizeitindustrie ist ein Katalysator für die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, reisen und sich erholen. Die überdrehte Atmosphäre ihrer Hotspots führt zu einem Realismus außer Rand und Band, der Erhabenes mit Vulgärem vermischt, Zynisches mit Pathetischem, Reales mit Fiktionalem. Der Overtourism ist ein Phänomen, das sich allenfalls mit Mitteln der Rhetorik beschreiben lässt, als Hyperbel, Zitat, Pastige, Replik, Parodie, Travestie oder Plagiat. Die Megatrends in der Branche führen zu neuen Hybridformen von Hotellerie und Immobilienwirtschaft, mit denen Investoren auf den Lebensstil einkommensstarker Kunden reagieren. Trotz des Versprechens von Einzigartigkeit setzt sich eine Architektur der Replikanten durch, die schnell erkennbar und leicht annehmbar ist. In seiner Überartikuliertheit handelt es sich beim Overtourism um das Symptom einer tiefgreifenden Transformation, deren Beschreibung noch unsicher ist. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Branche kann jedenfalls Anlass dafür sein, um über die Überschreitung und Neujustierung eines Systems nachzudenken, das im Dienst des Profits das Begehren orchestriert. PULP Architekt*innen haben die Absurdität des Drehbuchs schon durchschaut ...
07.02.2023

WOHN.RAUM.POLITIK

Ziel des Seminars ist es, auf der Basis der argumentativen Diskursanalyse die Muster der Konstitution der Wohnraumpolitik im alpinen Raum (Nord- und Südtirol) im Spannungsfeld von Wohnbauförderung, Raumordnung und Landschaftsschutz aufzudecken, die zu einer bestimmten Vorstellung von „leistbarem Wohnen“ und zur Legitimierung von Entwicklungen auf diesem Gebiet führen.
06.02.2023

»Guattaris Fledermaus« Entwurf einer Ökologie der Sorge

Das 21. Jahrhundert ist zu einer Arena des Kampfes zwischen zwei scheinbar entgegengesetzten Welten geworden. Eine davon ist der unaufhaltsame techno-logische Fortschritt. Das wachsende ökologische Bewusstsein der Gesellschaft ist der andere Pol. Félix Guattari schafft mit seiner »maschinischen Ökologie« die Grundlage für eine ethisch-ästhetische und zugleich mikropolitische Praxis, die beide Sphären »transversal« durchquert und sich auf ein Anderes hin öffnet. Daniela Mitterberger und Tiziano Derme von MAEID nehmen mit ihren künst-lichen Ökologien und Assemblagen von Mensch, Tier, Pflanze und Maschine diesen Gedanken auf. Sie entwerfen eine lebendige und performative Medien-architektur, die zu neuen Sichtbarkeiten für komplexe Weltbezüge führt und neue Praktiken der Subjektivierung, Kollaboration und Koexistenz be inhaltet. Zugleich bietet sie Ansatzpunkte, die Plausibilität der Techno-Ökologie in den Blick zu nehmen und zu fragen, was der Bezug auf sie der Architektur in der aktuellen Lage verspricht. Würde die Positionierung des Ästhetischen aus-reichen oder sollte man nicht vielmehr ethische Fragen stellen?
04.02.2023

Hacking the Alps!

Die Alpen sind nicht „Natur pur“, sondern eine „operative Landschaft“, die auf der Basis von Infrastrukturen entsteht. Infrastrukturen formen den emblematischen Raum unserer Zeit. Rem Koolhaas meint sogar, sie seien wichtiger wie die Architektur. Der Klimawandel bringt ihre Fundamente ins Wanken und macht aus dem vermeintlich passiven Hintergrund der Bergwelt einen mächtigen Akteur. Zu den Infrastrukturen gehören nicht nur Straßen und Rohrleitungen, sondern auch die zwischen unseren Smartphones zirkulierenden Wellen. Auf der Basis dieses erweiterten Begriffs der Infrastruktur fordert die Architekturtheoretikerin Keller Easterling Architekt*innen dazu auf, nicht ausschließlich „Objekt-Formen“ in die Landschaft zu setzen, sondern das infrastrukturelle Betriebssystem kreativ zu manipulieren. Im Kontext des Klimawandels könnten sich daraus neue Potentiale für den alpinen Raum ergeben …
08.08.2022

Workshop: Grey Box Testing - Inside Global Displacements

Im Virtual Reality Workshop GREY BOX TESTING*. Inside global displacements erforschen Studierende des Departments Architektur der TU Braunschweig Prozesse von Veränderung, Verdrängung und Ausschließung, die aufgrund globaler ökonomischer Zusammenhänge und Abhängigkeiten Menschen auf lokaler Ebene in ihren gewohnten Lebensumfeldern betreffen. Die Hintergründe von drei ausgesuchten Konfliktfeldern werden medial – aus der Ferne – recherchiert. Im Wirkungs-Raum von Virtual Reality Environments konkretisieren sich die digitalen Abdrücke der untersuchten Phänomene zu Informations-Räumen voller Präsenz, in denen der Zeit- und Raumsprung, den mediale Informationen normalerweise zwischen Betrachter:in und Ereignis schieben, sich eindringlich verkürzt zeigt.
20.06.2022

Le Roys Öko-Kathedrale - Über die Paradoxien der Nachhaltigkeit

Durch die vielfältigen sozial-ökologischen Krisen wie Klimawandel, Artensterben oder erzwungene Migration geraten etablierte Vorstellungen einer linearen und planbaren Zukunft ins Wanken. Bruno Latour führt in seinen »Existenzweisen« auf dem Weg von Alternierungen und Erfindungen weiter, um das Existierende in einer Art »next theory« zu versammeln. Le Roys "Öko-Kathedrale" ist im Text die zentrale Referenz für das Nachdenken über Nachhaltigkeit und ökologischem Bauen.
17.05.2022

Unterwegs am Irrawaddy

Der Architekt und Designer Ettore Sottsass wurde 1917 in Innsbruck geboren und gehört zu den ganz Großen. Sein »Anti-Design« ist eine ebenso scharfsinnige wie exzentrische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen im Übergang von der Produktions- zur Freizeitgesellschaft. Er macht darauf aufmerksam, welche Rolle der künstlerischen Praxis bei der Produktion kultureller Bedeutungen zukommt, wenn es darum geht, die enge Verknüpfung von »Produktion« und »Projekt« aufzulösen, die charakteristisch ist für die westliche Kultur.Der »Pianeta Sottsass« ist eine Möglichkeit, sich Welten außerhalb der zerstörerischen Domäne des Kapitalismus vorzustellen. Er ist eine Antwort auf die hochaktuelle Frage: Wie sollen wir unseren Planeten bewohnen?
04.03.2022

Italian Design Day: Mezzèdemi in Asmara

In the eyes of critics, Asmara appeared either as a "racist social experiment that used a modern design vocabulary" (Mattioli), as a "fusion of modern architecture and African highland culture" (Denison) or as a restorative projection of colonial nostalgia (Boym). Arturo Mezzèdimi spent his early years as an architect there. He belonged to the community of those Italians who did not leave the country after the end of Italian colonial rule and benefited from the unique cultural sphere of Asmara’s "local bourgeoisie" (Fuller). Mezzèdimi’s architectural work is characterised by the continuity of coexistence between Italians and Eritreans and the special atmosphere of a place, which he was able to use as a springboard to develop an architectural language that made him known and successful far beyond the city of Asmara.
03.03.2022

Denken nach dem Ende der Welt

Im Kielwasser der Umweltkrise hat Ökologie Konjunktur. Wir erleben eine Ökologisierung des Denkens und der Begriff «Ökologie» zieht sich quer durch Diskurse verschiedenster Disziplinen, wo er sich mit den Schlagwo ten vom «Neuen Materialismus», dem «Post-Humanen», dem «Anthropozän», der «Dark Ecology» oder dem «Spekulativen Realismus» kreuzt.
11.01.2022

Vu’ cumprà - Acting on the Margins of the European Project

In the past decades, the status of territories and everyday urban experiences has been strongly bound with notions of globalisation and migration. In this critical discussion, the effects of migration are identified according to multiple dimensions in order to generate knowledge on ‘space in transition’ by exploring how Senegalese traders who belong to the Mouride brotherhood make claims on and use space during their time in Italy. ‘Mourides’ are groups with very high mobility and exemplify ‘transmigrants’; they establish ‘circulatory territories’ by commuting between their land of origin and the host country – changing their whereabouts seasonally. At the architectural level, the key question raised by migration is how diversity can be acknowledged, valued, and accommodated by the built environment.
19.12.2021

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