NEU Heustadel-Museum_ Readymade & CultLand (IV)_ Assemblage
Der Entwurf eines „Living Museums“ auf der Basis der bestehenden Heustadel-Landschaft im Gschnitztal verschiebt den Museumsbegriff von einer ortsgebundenen Institution der Sammlung und Konservierung hin zu einem offenen sozialen, kulturellen und ökologischen Prozess. Am Beispiel der alpinen Heustadel-Landschaft wird gezeigt, wie Kulturerbe nicht als Bestand stabiler Objekte, sondern als dynamisches Geflecht relationaler Praktiken, Räume und Akteure verstanden werden kann. Theoretisch wird dieser Ansatz zwischen strukturalistischen und assemblage-theoretischen Perspektiven verortet. Während der Strukturalismus kulturelle Landschaften als durchlässige, jedoch strukturell stabile Ordnungssysteme begreift, betont die Assemblage-Theorie (Deleuze/Guattari, DeLanda) die Kontingenz und Vorläufigkeit relationaler Konfigurationen. In Verbindung mit Latours Akteur-Netzwerk-Perspektive erscheint der Heustadel nicht als isoliertes Objekt, sondern als Knotenpunkt eines Gefüges aus materiellen, sozialen und ökologischen Beziehungen. Das „Living Museum“ radikalisiert diese relationalen Ansätze, indem es die alpine Kulturlandschaft selbst zum Ausstellungs- und Handlungsraum erklärt. Identität entsteht hier nicht durch materielle Fixierung, sondern durch die kontinuierliche Neuverknüpfung von Stadeln, Wegen, Nutzungen und Landschaftsprozessen. Bewahrung wird damit weniger als Erhaltung einzelner Objekte verstanden denn als Pflege und Transformation eines offenen Beziehungsnetzwerks. Das Konzept ermöglicht so eine Neubestimmung von Kulturerbe als prozesshafte, partizipative und anpassungsfähige Praxis, wirft jedoch zugleich die Frage nach den Grenzen und der institutionellen Bestimmbarkeit des Museums selbst auf.
03.06.2026