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Automatismus als Welttechnik

Im klassischen Surrealismus (Breton, Ernst) fungiert der »Automatismus« als Technik, um das Unbewusste ohne intentionale Kontrolle sichtbar zu machen. Für Hal Foster ist dieser Automatismus zwanghaft. David Lomas deutet ihn als nicht rein psychisch, sondern technisch-medial. Der New Materialism schließlich verschiebt das, was bei Foster und Lomas noch »innerer« Automatismus (Psyche, Unbewusstes) war, hin zu einem »äußeren«, materiellen Automatismus.

Die KI führt zu einem transponierten »Neo-Surrealismus«, für den Wissen nicht aus einem autonomen Bewusstsein entsteht, sondern aus der Interaktionen zwischen Mensch, Material, Zufall, Technik und Unbewusstem. Damit passiert etwas, das der Surrealismus methodisch wollte, aber ontologisch nicht denken konnte: Das Andere, das antwortet, ist nicht mehr das Unbewusste, sondern ein techno-materielles System mit operativer Eigenlogik. Das ist der Punkt, wo der Surrealismus wirklich neu-materialistisch wird.

Die Arbeiten von Sofia Crespo und Rafik Anadol deuten in diese Richtung. Crespo nutzt neuronale Netze, um hybride Organismen und biodigitale Chimären zu erzeugen, die aus dem latenten Ökosystem kollektiver Bildarchive auftauchen. Ana-dol hingegen transformiert Datenströme in immersive, fluid bewegte Strukturen, die die Maschine selbst als Imaginationsträger inszenieren. Beide zeigen, dass das Surreale im 21. Jhrt. weniger als psychologischer Tiefenraum denn als algorithmisch generierter Möglichkeitsraum zu begreifen ist.

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