Kurzfassung
Die Environment Bubble taucht in den 1960er Jahren an der Schnittstelle von Architektur, Körper, Kybernetik und Ideologie auf. Sie ist die kompakte Fassung der utopischen Vision eines autakren, technologisch erzeugten Mikroklimas, einer tragbaren und immateriellen Architektur als Interface zwischen Organismus und Umwelt. Obwohl Theoretiker, Künstler und Architekten wie Reyner Banham, Walter Pichler, Hausrucker & Co, Coop Himmelblau und Archigram jeweils eigene Ideen verfolgten, war sie – zumindest in ihrer Entstehungszeit - ein Machtinstrument über Umweltbedingungen und sehr stark vom Szientismus ihrer Zeit geprägt. Ihr ganzes Potenzial erschließt sich, wenn man die Environment Bubble nicht lediglich als technologisches Objekt, sondern als kulturelles Dispositiv versteht, das die Neuordnung der Beziehungen zwischen Menschen, Technik und Umwelt im späten 20. Jahrhundert exemplarisch sichtbar macht. Sie ist der Ausdruck eines Weltbilds, in dem Umwelt als mess- und steuerbare Variable gilt und Autonomie des Menschen über Kontrolle von atmosphärischen, sensorischen und klimatischen Parametern definiert wird. In ideologischer Nähe zu Raumfahrt- und Life-Support-Technologien des Kalten Krieges verkörpert sie die Vorstellung eines autarken Überlebenssystems, das Unabhängigkeit von gegebenen Umweltbedingungen verspricht. Mit ihr verschob sich der architektonische Diskurs von kollektiven Räumen hin zu individualisierten, technisch produzierten Erfahrungsumwelten, in denen wir mehr und mehr leben. Wir alle bauen mit unseren Smartphones an den Environments und jeder von ist beteiligt sich an ihrer Expansion.
Sechzig Jahre später, im Kontext ökologischer Krisen, digitaler Vernetzung und posthumaner Lebensmodelle, hat die Environment Bubble nichts von ihrer Faszination verloren. Ihr Revival könnte sie zum analytischen Prisma machen für die aktuelle Auseinandersetzung mit den Themen Post-Ökologie, Speculative Design, Post-Humanismus und New Materialism. Die Environmental Bubble 2.0 könnte Denkfigur, Kritikwerkzeug und spekulatives Szenario in einem sein, um die Verschiebungen zwischen Autonomie und Abhängigkeit, Kontrolle und Verletzbarkeit, sowie Körper, Umwelt und technischem Medienverbund neu und kreativ sichtbar zu machen. Das Spannende dabei ist, dass die Bubble immer schon ein ironisches und überdrehtes Projekt war, ob als „techno-optimistische Zukunftsprothese“ (Archigram), „psychedelische Wahrnehmungsmaschine“ (Hausrucker & Co), „existenzielle Isolation“ (Pichler, Virilio) oder „Environment-Technologie“ (Banham). Ihre Überdeterminierung ermöglicht heute produktive Anschlüsse an die Arbeiten von Miko Rottenberg („absurder Surrealismus“), Dune & Raby („Speculative Design“), Superflux („Speculative Environments“), James Bridle („Data Ecology“), Natalie Jeremijenko („Umwelt & Partizipation“), Agatha Haines („Anthropzän-Narrative“), Fearal Atlas („Narration“) oder Hito Steyerl („Visual Ecology“). Das könnte die Environment Bubble 2.0 zur epistemischen Figur zwischen Neo-Surrealismus, Speculative Design und einer neuen Form der Öko-Kritik machen. Was bedeutet das?
Die Grundthese des Entwurfs der Environmental Bubble 2.0 ist, dass sich der Fokus heute so radikal verschiebt und der Paradigmenwechsel so groß ist, dass man die Bubble neu erfinden muss: Wir können die Umwelt nicht mehr nur kontrollieren, sie ist außer Kontrolle. Die Bubble ist kein Versprechen mehr auf Kontrolle, sondern das prekäre Etwas, das uns erlaubt, eine unbewohnbar werdende Welt überhaupt noch zu ertragen. Sie ist kein Bild der Expansion mehr, sondern ein Indikator planetarer Verletzlichkeit. Die neue Bubble kann aber auch – das ist die Absicht des Projekts - ein sozialer und partizipativer Verhandlungsraum werden. Sie stellt den traditionellen Begriff des „Projekts“ in Frage, weil sie Zukunft nicht mehr kolonialisiert, sondern zur „Rückeroberung der Zukunft“ (Rau) beiträgt. An die Stelle des „Wie wird es werden?“ rückt das „Wie könnte es sein?“ – die Arbeit mit Szenarien, Spekulationen und künstlerischen Strategien. Nicht die Produktoptimierung steht im Mittelpunkt, sondern die Debatte über mögliche Zukünfte („design for debate“).
Der Entwurf der Envirnoment Bubble 2.0 ist ein Forschungsprojekt, das in Kooperation von Museen, Universität und Unternehmen entsteht. Die Bubble soll gebaut und an verschiedenen Orten (Eck Museum of Art in Bruneck, Museon in Bozen, AZW in Wien, DAZ oder Aedes-Stiftung in Berlin) ausgestellt werden.