Die Student*innen stellen ihre Arbeiten, die im Rahmen des Entwerfens EM2 "Orbital" entstanden sind, am Mittwoch, den 25.06.2025, im Foyer Baugeschichte im Beisein der Gastkritiker ab 9.00 Uhr vor. Die Arbeiten werden bis Ende der Woche im Foyer ausgestellt. Gäste sind herzlich willkommen! Kurzinfos zu den Arbeiten findet man unter "mehr" (unten). Einzelne Arbeiten werden im Laufe des Sommers etwas genauer vorgestellt. 11.06.2025
10.000 gelangweilte Affen im Yachtclub# Oder: Was ist "Money Surrealism"?
Als »Everydays: The First 5000 Days« des bis dahin unbekannten Künstlers Beeple und »Bored Ape Yacht Club« von Yuga Labs für Rekordsummen verkauft wurden, befürchteten einige Kritiker die ultimative Degradierung der Kunst, andere hingegen schwärmten vom revolutionären Aufbruch in eine neue Ära der Kryptokunst. Sollten wir beunruhigt sein? Nein, denn das alles ist nicht neu. Die Vorboten der »Art of Money« tauchten bereits in den 1960ern auf, als Levine, Morris, Graham und Lonzano Finanztransaktionen zur Kunst erho-ben, Geld als disruptives Element auf dem Kunstmarkt einsetzten und mit den Mitteln der Konzeptkunst Fragen nach Objekt, Besitz, Autorschaft, Wert und Realität der Kunst stellten. Es sind die gleichen Fragen, mit denen uns der neue Hype rund um die NFT-Kunst konfron-tiert. Der Autor findet ihre Vorbilder auch anderswo: Durch OpenSea, Nifty Gateway und SuperRare zieht sich ein Trend zur Wiederbelebung des Surrealismus. Auf den digitalen Marktplätzen ist »surreal« das beliebteste Schlagwort und eines, das mit den teuersten Kunstwerken in Verbindung gebracht wird. Während die High-Tech in die Sphäre der Kunst driftet, scheinen die Künstler eine obsessive Vor-liebe für das Surreale zu entwickeln. Einen darf man nicht vergessen, wenn es um das Thema Kunst und Geld geht: Yves Klein, der in keines der genannten Register passt. Seine »Zones of Immaterial Pictorial Sensibility« gelten heute nicht nur als Vorläufer für die NFT-Kunst, sondern auch als Hilfe, wenn es darum geht, sie zu verstehen ... 22.05.2025
»Das Enigma der KI-Kunst« - Man Ray & Trevor Paglen
»Das Rätsel des Isidore Ducasse« von Man Ray gilt als eines der geheimnisvollsten Kunstwerke. Niemand weiß, was sich unter dem Gebilde aus Filz und Schnüren verbirgt, mit dem der Künstler den Betrachter konfrontiert. Die Verhüllung erzeugt das Rätsel, sie bringt Objekte zum Verschwinden und erzeugt eine neue Sichtbarkeit. In der Welt der KI ist der »latente Raum« ein Schlüsselkonzept und zugleich die berüchtigte Black Box. In ihr verschwinden Dinge und taucht etwas Neues auf. Sie ist der Schauplatz der Posthumanisierung, in ihr verschiebt sich die überlieferte Bedeutung von Kunst. Der gefeierte KI-Künstler Trevor Paglen reflektiert die neuen Bedingungen des Denkens, der Subjektivität und der Politik. Er verweist uns auf die radikale Transformation unserer visuellen Kultur, in der der überwiegende Teil der Bilder von Maschinen für Maschinen gemacht wird und für das menschliche Auge schlicht unsichtbar ist. Es macht Spaß, das »Sehen« der Algorithmen wie ein Puzzle zu lösen. Paglen tut das. Er gibt der Sehweise der Maschine eine Sichtbarkeit. Mit Man Ray verbindet ihn die »sichtbar machende Sichtbarkeit« der Kunst. Das ist aber nicht alles. Die Maschine ist keine Artikulationsmaschine mehr, sie erfasst das Unartikulierbare und Unrepräsentierbare. Algorithmen sind Maschinen der Emergenz von etwas Neuem, offen für das Unberechenbare. Die Frage nach dem Enigma der Kunst sollte neu gestellt werden ... 27.04.2025
Finals EM 1 WS 2024/24 Revolutionary Grounds
Schlusspräsentation der Entwurfsarbeiten
im Foyer Baugeschichte, am 29.01.
ab 9.30 Uhr 26.01.2025
Octopussy II
Wanted / Wanted / Wanted
Dringend gesucht 2/3 Mitarbeiter*innen für Arbeit am Oktopus (1 Tag)
Justierung der Aufhängung, Mitte Februar / Interessierte bitte melden! 25.01.2025
Entwerfen M2 SS 2025 "ORBITAL"
Die Studierenden entwerfen einen Wohnraum für das nachhaltige Leben in der Zukunft. Wie dieser Wohnraum aussehen wird, wie groß er sein wird, aus welchen Elementen er sich zusammensetzt, welche Räumen und Zeiten er umfasst, welche Atmosphäre er hat und mit welchen Mitteln und ästhetischen Strategien er erstellt wird, ist offen. Die Studierenden werden konfrontiert mit philosphischen, sozialen, politischen, ökologischen, technologischen, kulturellen und ethischen Fragestellungen, die sich aus der Thematik des Wohnens in all seinen Facetten ergeben und an Diskurse unserer Zeit anschließen. Insbesondere steht die Transformation des Wohnens im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die Student*innen sollen sich methodisch am spekulativen Design orientieren, das eine nahe Zukunft imaginiert, aber auf gegenwärtig verfügbaren Daten gründet. Die entstehenden Projekte sollen nicht nur eine bestehende Welt abbilden, sondern sich an einer möglichen Zukunft orientieren. Der Maßstab ist frei wählbar, das Projekt kann einen planetarischen Maßstab haben, dh. den Blick auf die Erde beinhalten und das In-der-Welt-Sein des Menschen reflektieren, es kann aber auch die Bewegung einer Träne im Raum kartographieren. Der Ausgangspunkt kann ein „großes“ Thema der Welt sein oder das eigene Zimmer … 16.01.2025
NEW NEW NEW: Amerika, quo vadis? Über die Fotokunst von Gregory Crewdson
Ist Trump ein Faschist? »Faschismus wurde zu einem ‹Allzweckbegriff›, weil man aus faschistischen Regimen Merkmale eliminieren kann und sie trotzdem noch als faschistisch erkennbar sein werden«, schrieb Umberto Eco. Im Wahlkampf entdeckte Trump das mythische Substrat der amerikanischen Suburbia und nannte sie »a shining example of the American Dream«. Die amerikanische Vorstadt ist nicht zufällig zur ideologischen Kampfzone geworden. Trotz des Wandels des Mythos hat sich bis heute die Idee erhalten, sie sei der Ort der Traumerfüllung und der Glücksverheißung. Obwohl viele Amerikaner nicht mehr daran glauben, sterben Mythen nicht einfach, sie wandeln sich. Betrachtet man den Faschismus als eine Form des politischen »Mythmaking«, so wird deutlich, dass Trump im »story war« Narrative einsetzt, die tief in den amerikanischen Kernmythen verankert sind. Um das zu zeigen, nähert sich der Autor dem Amerikanischen Traum in den Fußstapfen des Fotografen Gregory Crewdson. In seinen Fotografien halten das Irrationale, Rätselhafte und Unheimliche Einzug in den Alltag, ohne das damit verbundene Narrativ vollständig zu klären: Was ist passiert? Wo befinden wir uns? Wie sind wir da hineingekommen? Plötzlich findet man sich in der Mitte von irgendwas. Ja, von was? Der Urfaschismus kann in der unschuldigsten Verkleidung wieder auftreten, er sitzt aber auch tief in den Formationen der Suburbia. Crewdson entlarvt ihn. Seine Bilder sind eingefrorene Filmstills, mit denen der Mythos lesbar und decodierbar wird. Er dekonstruiert die Definiertheit der Suburbia selbst und schafft einen »American Dream unter Anführungszeichen« (Derrida), dessen definitorische Unsicherheit die Grundlage der Analyse ist. Seine jüngsten Arbeiten zeigen in zertörte Wälder verirrte Menschen, isoliert und orientierungslos. Die reinste Form des Mythos ist seine Abwesenheit ... 11.01.2025
Angelusläuten in der Architektur - Architektur, Surrealismus & Parafiction
Es gibt nichts Schlimmeres für einen Architekten als den Satz: Das ist nicht realistisch! Architekten sollten aber nicht vor dem Pragmatismus der Realität kapitulieren, sondern trojanische Pferde satteln für die Eroberung neuer Welten. Um das zu zeigen, setzt der Autor auf das Konzept der »Parafiction« von Carrie Lambert-Beatty und das Vorbild des Surrealismus, eine bis heute andauernde Rebellion gegen die Realität. Der Surrealismus teilt mit der »Parafiction« Techniken der Collage und der Aneignung des Objet trouvé, Scherz, Ironie, Trickster-Mythos und Parodie. Es ist ein theoretisches Setting, das die ästhetische Entfremdung des Realismus erlaubt. Damit gerüstet interpretiert der Autor den »Ángelus arquitectónico« von Salvador Dalì - und mit ihm die Architektur im Allgemeinen - als ein »parafiktionales Objekt«. Er spannt einen Bogen auf von Jean-François Millets »Angelusläuten« über das »Retroaktive Manifest« von Rem Koolhaas bis zu zum »Kynischen Manifest« von Garcia Cruz und Nathalie Frankowski und geht auf die Themen von Utopie, Ideologie und Kritik ein. Entlang dieses Parcours begegnen sich die Figuren der Moderne und der Spätmoderne, der Paranoiker und der Kyniker. Die parafiktionale Kunst von Cruz und Frankowski schwenkt von der Ober- zur Untersicht. Die beiden zeigen den Angelus von Dalí aus einer ganz neuen Perspektive. Für die Rückeroberung der Zukunft benötigen wir den Standpunkt des Kynikers, der »von unten« kritisiert, ein Leben führt im Widerstand und im Gelächter und sich auflehnt gegen den Sarkasmus und den Zynismus unserer Zeit ... 29.11.2024
"Octopussy"
Oktopusse sind geheimnisvolle Tiere. Ihre Intelligenz begeistert Menschen schon lange. Sie sind das beste Beispiel für verkörpertes und verteiltes Wissen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der Oktopus zum Modell für die KI-Forschung und zum alternativen Modell für Intelligenz geworden ist. Man könnte ihn auch als das Wappentier des digitalen Zeitalters bezeichnen. Der Oktopus ist ein intelligenter Baumeister und Verwandlungskünstler, vielleicht auch die nächstliegende Form außerirdischer Intelligenz, die wir studieren können. Er ist die Blaupause für die Entwicklung einer autonomen KI mit neuronalen Netzen, die sich an die Umwelt anpassen und von ihr lernen kann. Jedenfalls machte der Bau des Oktopus im Ötztal viel Spaß! 19.10.2024
Schön, wie das zufällige Aufeinandertreffen von Surrealismus und Künstlicher Intelligenz auf einem sibirischen Flughafen, 1965, gemalt von Hieronymus Bosch
In »Les Spectateurs (La Naissaince de l’ Objet)« des Surrealisten Paul Nougè verhalten sich fünf Personen so, als würden sie ein Bild betrachten. Doch das Bild fehlt. Die Abwesenheit gehört zur Programmatik des Surrealismus. In der unerwarteten Nachbarschaft von Surrealismus und KI-Kunst findet der Autor eine faszinierende Perspektive auf die gegenwärtige künstlerische Medienreflexion. Eine Philosophie der KI-Kunst müsste bei der Nicht-Identität ansetzen, die mediale Differenz betonen und den konzeptionellen Eigenwert des Mediums hervorheben. So konnte der Surrealismus zum Modellfall einer generativen Kunst werden. Können das auch die KI-generierten Werke werden?
Lev Manovich wirft den Künstlern unserer Zeit vor, es fehle ihnen eine Philo-sophie, so wie sie die Surrealisten hatten. Er empfiehlt den Datenkünstlern, anstatt immer rationaler zu sein, die Irrationalität zur Methode zu machen. Nur, hält er sich selbst daran? Man findet in Manovichs Arbeiten zwei unterschiedliche Positionen: Eine »Ästhetik der Unmittelbarkeit«, die die Realität immer »besser« darstellen möchte, und eine »Ästhetik der Effekte« in seinen KI-generierten Bildern. Wenn Manovich seinen Erfolg damit begründet, dass er nie die Zukunft einfach spekulativ vorweggenommen habe, sollte man ihm entgegenhalten, dass gerade das Moment des Spekulativen, des Andersmöglichen und des Noch-nicht-Realisierten die Kunst zur Kunst macht. 09.09.2024