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SE Architekturphilosophie / ArchPhilo WS 2023-24

Peter Volgger

822103 Architekturphilosophie (SE 2,0 h/5,0 ECTS)

Das Seminar ist für Studierende im Bachelorstudium, sollte aber auch von jenen besucht werden, die ihre Masterarbeit bzw. das Entwerfen machen (ohne Vortrag, aber mit Beteiligung an den Diskussionen)

T1_ MO 02.10.2023

Einführung

Ort: Foyer Gestaltung 1

Zeit: 10.00 Uhr

Themen und Termine

Alle Skripten im Überblick

T2_ MO 09.10.2023

09.00 Uhr - 11.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 1

Ein Garten voller Ideen und Geschichten

Kulapat Yantrasast

Kulapat Yantrasast ist der Gründer von WHY Architects, die weltweit operieren und schon viele Museumsprojekte realisiert haben. Es geht ihm zufolge beim Museumsbau nicht mehr um eine Architektur der Aufmerksamkeit (look-at-me), sondern um eine radikal soziale Komponente, die dadurch entsteht, dass der Architekt sich auf Leben und Kultur der Menschen einlässt, für die er baut. Der Architekt sollte keine Primadonna sein, sondern ein feinfühliger Dirigent, der die Stimmen des Orchesters zusammenführt. Hardware und Software des Museums haben sich in den letzten Jahren geändert. In Zukunft wird es noch mehr darum gehen, das Programm zu mixen, "pocket-spaces" in das Museum zu integrieren, die Ort der Reflexion, des Tagträumens und der Interaktion sind. Das Museum der Zukunft wird nicht mehr nur ein Tempel sein, der Zeitlosigkeit und Spiritualität von Kunst vermittelt, sondern ein Ort der Empathie und des Friedens.

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Referat 2

Eine Oase kann dein Leben retten

Paula Zasnicoff Cardoso & Carlos Alberto Maciel

Brasilien verfügt über ein erstaunliches Erbe der Moderne. Ein Museum sticht heraus, das "Museu de Arte de Sao Paulo" von Lina Bo Bardi, das im Stile des Brutalismus, mit viel Glas und Beton, errichtet wurde. Die Galerien des Museums sind vom Boden abgehoben, die 70 Meter lange Spannweite ist ebenso beeindruckend wie die Tatsache, dass die Fläche unter dem Gebäude frei bespielbar ist und es dem Alltagsleben erlaubt, sich ungehindert unter der Institution des Museums auszubreiten. Für Generationen von Architekten mit sozialen Ansprüchen ist dieses Gebäude ein Meilenstein. Die "Arquitetos Associatos" gehören dazu. Paula Zasnicoff Cardoso und Carlos Alberto Maciel haben selbst eine Reihe von spektakulären Musemsbauten entworfen. Sie sprechen über das Gebäude von Lina Bo Bardi und erläutern, wie es ihre Idee des Museums als "Plattform der Freiheit" beeinflusst hat.

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Student*in: Eda Buldas

Student*in: Cosima Bachmair

Referat 3

Dieser Ort ist essentiell, um ein menschliches Wesen zu formen

David Adjaye

Für Adjaye ist das Museum ein »typologisch beflecktes Projekt, ein verwundetes Tier vom ersten Tag an«. Es feiert etwas, worüber man eigentlich traurig sein sollte: die gezielte Zerstörung einiger Gesellschaften. Doch im Kern ist die Idee, Wissen zu teilen, grundsätzlich schön. Letztendlich ist das Museum eine Maschine, die den Menschen etwas über die Welt beibringt. Aber zu welchem Preis? Adjaye spricht über das "Edo Museum of West African Art", das wohl ambitionierteste Museumsprojekt auf dem afrikanischen Kontinent und seine zentrale Rolle in der gegenwärtigen Debatte um die Rückerstattung von Kulturgütern. Das koloniale Projekt hat die physische Struktur Afrikas zerstört. Was von der ursprünglichen Kultur geblieben ist, sind die Objekte, über deren Rückerstattung man gerade spricht. Die Rückerstattung sollte es den Gemeinschaften, die sie einst besaßen, erlauben, ihre ganz eigene Form der Modernität und Emanzipation zu aktivieren - und sie Rechenschaft darüber ablegen könnten, wer sie in der Gegenwart sind. Adjaye ist überzeugt davon, dass das Museum in Afrika eine ganz eigene Typologie ausbilden müsse. Das Wunschbild ist ein Museum als ein Knotenpunkt in einem globalen Netzwerk, das aus einer Weltkultur heraus entsteht und nicht wieder nationale und koloniale Narrative wiederholt.

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Student*in: Moritz Plieger

Student*in: Verena Spiess

T3_ MO 09.10.2023

12.00 Uhr - 14.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 4

Wo beginnt ein Museum und wo hört es auf?

Kerstin Thompson

In Bundanon, zwei Fahrstunden südlich von Sydney in Australien, wurde ein Ausstellungskomplex für Zeitgenössische Kunst (Bundanon Art Center) realisiert. Kerstin Thompson hat sich zusammen mit ihrem Team für eine Reihe von kulturellen und räumlich-sensiblen Interventionen entschieden. Das Museum ist Teil eines dynamischen Landschaftskonzeptes, denn regelmäßig wird das Gebiet entweder überschwemmt oder von Buschbränden heimgesucht. Das Ergebnis ist ein Museum mit einem unterirdischen Teil und einer markanten Brücke, die über die hügeligen Landschaft führt und Künstler beherbergt. Wer das Museum nur wegen seines spektakulären Aussehens bewundert, verfehlt dessen Absicht. Die Anlage verdankt ihr Aussehen einem tiefen Respekt für die Kultur der Aborigines, für die der Ort eine besondere Bedeutung hat. Das Museum biegtet einen interessanten Ansatz für das "placemaking", denn zur Aufgabe eines Museums gehört es, zuerst einmal einen Ort zu schaffen. Das Bundanon Museum ist ein Passagenraum, der Besucher durchstreift es, ohne an ein bestimmtes Ziel zu gelangen. Damit eröffnet es eine interessante Perspektive darauf, wie man einen Raum zwischen zwei Polen - in einer Zwischenzone - definiert und noch mehr, wie man sich im Kontext des Klimawandels überhaupt noch zurechtfinden kann.

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Student*in: Konstantin Weber

Student*in: Luzie Hassinger

Referat 5

Alles ist sensibilisiert

David Chipperfield

Das Neue Museum in Berlin wurde von David Chipperfield revitalisiert. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war es eine Ruine und Zeugnis einer traumatischen Vergangenheit. Wie geht man mit der Geschichte um? Wie schafft man ein neues Narrativ aus Krieg, Wiederaufbau und Moderne? Als deutlich wurde, dass Museumsarchitektur als Bedeutungsträger weit über den reinen Musenkult hinausgeht, schieden sich die Geister. Was tun? Die Antwort von Chipperfield fiel eindeutig und überzeugend aus: Zwischen 2003 und 2009 ließ er das Haus so umbauen und wiederherstellen, dass zwar die „historische Silhouette“ und das „originale Bauvolumen“ sichtbar, die Spuren der Zerstörung jedoch erhalten geblieben sind. Alt und Neu lassen sich voneinander unterscheiden. Im Rahmen seiner "kritischen Rekonstruktion" fasste der Architekt die Backsteinziegelwände, Stuccos und zahlreichen anderen Wunden der Geschichte zu einer ganz eigenen Sammlung zusammen. Das Resultat ist ein Hybrid aus Denkmal und Museum.

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Student*in: Silvano Schmid

Student*in: Moritz Hummel

T4_ MO 16.10.2023

9.00 Uhr - 11.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 6

Architektur sollte ein Jahrhundert der Ideen unterbringen

Jing Liu & Florian Idenburg

Das junge Büro SO-IL von Jing Liu und Florian Idenburg widmet sich unter anderem neuartigen Museumsprojekten, die sich vom Top-down-Ansatz deutlich unterscheiden. Ihr Projekt "Armant" schafft in einem Block in Brooklyn eine Situation der "Porosität", von schwellenartigen Übergängen und neuen Nachbarschaften, um das Museum in den Kontext zu erweitern. Die beiden suchen nach pluralistischen, offenen und lokal verankerten Lösungen und nach keinem Modell, das überall repliziert werden kann. Das Museum ist kein Schraubenzieher mehr, sondern ein Schweizer Armeemesser, eine Werkzeugskiste, die verschiedenste Lösungen ermöglicht und auch verschiedene Geschichten gleichzeitig an einem Ort erzählt. Mit ihrer Architektur versuchen sie eine Antwort zu geben auf die Frage, wie man in einer zunehmend instabilen Welt etwas stabil halten kann.

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Student*in: Nina Göldi

Student*in: Andreas Hinterholzer

Referat 7

Subtilität muss nicht banal sein

Frida Escobedo

2018 hat Frida Escobedo einen Pavillon für die "Serpentine Galleries" in London entworfen. Sie war die jüngste Architektin, die jemals von der Kommission den Auftrag dafür erhalten hat. Ihre Struktur, die teils Innenhof, teils Skulptur und teils Labyrinth war, verwischte die Grenzen zwischen Innen und Außen, Neuem und Historischem sowie globalem und mexikanischem Designvokabular. Sein Hauptmerkmal war eine reich strukturierte Porosität, die dem hellen Pavillon einen Hauch von Zugänglichkeit und Faszination verlieh. Porosität ist ein Konzept, das man in der Architektur mit der Transparenz vergleichen kann. Allerdings erlaubt die Porosität nie einen vollständigen Zutritt, sondern öffnet und schließt in graduellen Abstufungen, sie macht den Raum auf eine raffinierte Art und Weise erlebbar, indem sie Dinge langsam enthült oder den Raum erst langsam öffnet in der Bewegung.

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Student*in: Flora Korenjak

Student*in: Leonie Kainzner

Referat 8

Eine Landschaft der Möglichkeiten und Aktivitäten

Stephan Schütz

Stefan Schütz von gmp spricht über seine Vision eines Museums der Zukunft. Das Museum wird nicht mehr nur ein Container für Kunst und Ausstellungen sein, sondern zuallererst ein Ort für Menschen. Die Besucher sollten das Programm des Museums mitgestalten können, deshalb braucht es Räume für vielfältige Formen der Partizipation (coworking-spaces, labs, maker spaces, workshops usw.) und der Aktivierung. Die Menschen werden andere Erwartungen in das Museum setzen als wir es heute tun, das sollten wir beim Entwurf eines Museums mitdenken. Flexibilität ist ein wichtiges Kriterium, wie auch Transparenz und Offenheit. Letztere bedeuten nicht nur, dass man Glasfassaden einsetzt, sondern dass man verschiedene Aktivitäten zulässt. Das Museum sollte für Schütz wie ein städtisches Wohnzimmer für alle sein, mit Sofas statt harter Ecken, mit Pflanzen und großzügigen Aufenthaltsbereichen. Die radikale Öffnung und Demokratisierung des Museums wird auch dazu führen, dass es viel weiter in seine Umgebung hineinreichen wird, gleichzeitig wird das Museum der Zukunft noch mehr im lokalen Kontext verankert sein.

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Student*in: Ani Rutsch

Student*in: Julia Kluger

T5_ MO 16.10.2023

12.00 Uhr - 14.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 9

Das Museum als Ort der Freiheit

Lina Ghotmeh

Lina Ghotmeh ist die Architektin des Estischen Nationalmuseums in Tartu. Anstatt das Gebäude auf dem vorgeschlagenen Gelände zu errichten, entschied sich ihr Team DGT für eine nahe gelegene ehemalige sowjetische Militärbasis als Bauplatz. Diese Ruine klaffte wie die Wunde einer schmerzhaften Geschichte auf. Ghotmeh lud dazu ein, sich an einem stark belasteten, gleichzeitig aber auch räumlich einzigartigen Ort mit der eigenen Erinnerung auseinanderzusetzen. Sie möchte das Museum zu einem Ort der lebendigen Erinnerung machen. Optisch beeindruckt das Gebäude, weil es das Startfeld des Flughafens verlängert, indem sich die riesige Dachfläche an einer Seite abhebt und in die Richtung eines "unendlichen Raumes" auszudehnen scheint. Unter dem gigantischen Dach entsteht so der Raum für ein neues, empathisches, großzügiges und zugleich sensibles Kollektiv.

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Student*in: Merita Hassari

Student*in: Maddalena Dejaco

Referat 10

Das Museum als Spielplatz für alle

Minsuk Cho

Asien ist ein fruchtbarer Boden für Museen. In Korea hat die Demokratisierung der Gesellschaft zu einer stärkeren Konzentration auf die Kunst geführt, die sich vom Staat emanzipiert und ein breites Spektrum entwickelt hat, das von Grassroot-Bewegungen bis hin zu öffentlichen Museen reicht. Minsuk Cho, der bei OMA gearbeitet hat, steht im Zentrum dieser Entwicklung. Er erläutert im Gespräch mit András Szántó seine Vision des Museums der Zukunft. Obwohl man im Fall von Korea gerne an eine hochdigitalisierte Kultur spricht, distanziert sich der Architekt vom "Algorithmen-Ghetto" uns sieht das Potential der Architektur darin, starke Empfindungen mit einfachen Mitteln zu schaffen. Museen sollten in der Zukunft noch partizipativer und mehr noch eine öffentliche Plattform oder eine Spielwiese für das Erlernen neuer Dinge werden. Anstatt in die Schule zu gehen, wird man in Zukunft in Museen gehen, wo es einen immersiven Raum gibt, an dem jeder teilnehmen kann

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Student*in: Amelie Schmitt

Student*in: Sophia Rosa Marte

T6_ MO 23.10.2023

9.00 Uhr - 11.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 11

Unsere Gemeinwaffe ist die Natur

Li Hu & Huang Wenjing

An einem ruhigen Strand, in der nordchinesischen Bohai-Bucht, liegt das "UCCA Dune Art Museum" der Architekten Li Hu & Huang Wenjing vom Team OPEN Architecture. Es ist in den Sand eingegraben und verschwindet unter der sanften Graslandschaft der Sanddünen, die der Wind entlang des Ufers angehäuft hat. Inspiriert von Kinder, die dort Löcher in den Sand graben, haben sich die Architekten dafür entschieden, einen Großteil der Ausstellungsflächen unterirdisch in Form einer großen Katakombenlandschaft anzulegen. Andere Projekte der beiden Architekten sind der futuristische "Sun Tower" oder "Tank Shanghai", mit denen sie alles in Frage stellen, was bis dahin als Museum galt ...

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Student*in: Jonas Fischer

Student*in: Anna Braun

Referat 12

Es ist eine Herausforderung, für ein bewegliches Ziel zu entwerfen

Elizabeth Diller

Wie können Architekten Museen bauen, auf die wir auch noch in fünfzig Jahren nicht verzichten möchten? Um unverzichtbar zu sein, muss man das Museum nicht als Luxusgut sehen, sondern als eine gemeinsame Notwendigkeit. Es sollte alle Menschen einladen. Es könnte auch dezentralisiert sein, mit Satelliten, die über die ganze Stadt zerstreut sind. Es sollte kein isolierter Silo sein, sondern Teil einer kulturellen Infrastruktur, die wiederum verknüpft ist mit Erziehung und den nicht-visuellen Kunstformen - und zum Rathaus, denn das Museum braucht den Einfluss auf die Politik. Es könnte verbunden sein mit anderen Teilen der Welt, ein kultureller Hub, weltweit vernetzt mit anderen, um einen Diskurs ins Leben zu rufen, der nicht von der Geografie begrenzt wird. Vielleicht sollte das Museum kein Ding sein, sondern ein System. Und es sollte eine große Bar haben, ein Ort sein, wo man etwas essen kann, trinken, rumhängen kann, 24 Stunden am Tag.

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Student*in: Michael Unterberger

Student*in:

Referat 13

Das Museum könnte ein Weckruf sein

Bjarke Ingels

Bjarke Ingels Projekte werden oft von einer großen Idee angetrieben, die den Zweck des Gebäudes ausdrückt. So schaut das Musée Atelier Audemars Piguet, ein Uhrenmuseum, aus wie die Spiralfeder einer Uhr. Das Gebäude ist Ausdruck und Symbol. Es ist Ausstellung. Ingels sieht seine Arbeiten in der Tradition der Guggenheim-Museen, meint aber, dass es ihm gelinge, Form und Inhalt zur Deckung zu bringen. Für das Museum der Zukunft hat er große Visionen: Das Museum soll engagierter und demokratischer sein. Das Museum ist Avantgarde, nicht nur künstlerische, sondern auch soziale. Als Experimente, die ein kleines, pragmatisch umgesetztes Stück Utopie in die Tat umsetzen, reichen Museen weit in die Zukunft hinein. Diese Wirkung kann weit über die Dimensionen eines Gebäudes hinausgehen. Sie entsteht aus neuen Allianzen, auch für die Natur. Darin sieht Ingels die wahre Macht der Museen in Bezug auf ihre Wirkung in der Welt

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Student*in: Walser Hannah

Student*in: Talia Gehrke

T7_ MO 23.10.2023

12.00 Uhr - 14.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 14

Museen sind der Anfangspunkt einer Reise

Ma Yansong

Für Ma Yansong, einem der bekanntesten chinesischen Architekten der jüngeren Generation, ist das Museum "nothing if not futuristic". Er verleiht damit der Idee der "surreality" einen Ausdruck, also dem Gedanken, dass ein Museum dem Besucher stets eine Reise ins Außergewöhnliche ermöglicht. Das Museum ist ein Ort des Eskapismus, der Flucht von der Realität in eine andere Welt, die sich gänzlich vom Alltag und seinen Routinen unterscheidet. Ma Yansong spricht sich damit nicht für eine Architektur des Spektakels aus. Auch kleine Museumsbauten können Menschen in neue spirituelle Welten führen. Das Museum ist auch in dem Sinne "sur-real", als es immer Alternativen zum Bestehenden anbietet. In einer Zeit, die sich ganz dem Nutzen verschrieben hat, bedeutet das, dass ein Museum ein Ort ist, der den Menschen mit Fantasie und Inspiration Flügel verleiht.

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Student*in: Greta Mager

Student*in: Marvin Studer

Referat 15

Ein offenes Feld der Akzeptanz

Sou Fujimoto

Soll man in einem Park neue Museen errichten? Sollte man nicht stattdessen den Park erweitern? Das "Haus der Musik" in Budapest von Sou Fujimoto ist ein rundes Gebäude inmitten des Stadtparks. Ein Haus für die Musik wird für die Kunst der Klänge gebaut, der Architekt geht einen Schritt weiter in Richtung Natur und beschreibt es als eine "Klangwelle, die in den Baumkronen hängt". Bei Fujimotos Pavillon umhüllt eine vieldeutige Form den Klangraum, der es gelingt, Natur und Architektur zu versöhnen. Einige Bäume stehen nahe an der Glasfassade, andere brechen die Dachfläche auf und erzeugen eine pilzartige, löchrige Dachhaut. Es sollten möglichst viele Bäume erhalten werden, um ihnen Raum zu geben und sie durchs Dach wachsen zu lassen. Die etwa 100 Löcher machen aus dem Dach den Hut eines Schirmpilzes, der die Grenze zwischen dem Gebäude und dem Grünraum kaum noch erahnen lässt. Tritt man unter das Klangwellendach, so ist man vom golden schimmernden Blattwerk an seiner Unterseite überwältigt. Der Pavillon ist sensibel in den kulturellen Raum eingebettet und zugleich eine Hommage an die Natur.

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Student*in: Janina Exenberger

Student*in: Jasmin Obermüller

T8_ MO 30.10.2023

9.00 Uhr - 11.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 16

Das Leben auf dem Land ist selbst ein Museum

Xu Tiantian

Im malerischen Dorf Caizhai, in den Hügeln des östlichen China gelegen, stoßen die Besucher auf eine überraschende Struktur: Eine Reihe von modernen Holzpavillons, die am Ufer eines sprudelnden Gebirgsbachs aufgestellt sind. Funktional gesehen geht es um eine "Tofu-Fabrik" Für den Architekten Xu Tiantian sind diese Gebäude Teil eines Experiments, bei dem es darum geht, neues Interesse am ländlichen Leben zu wecken. DnA Architects haben in der Gegend von Songyang bereits 20 Projekte realisiert, immer in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Bewohnern. Diese Projekte stellen immer besondere Objekte in den Mittelpunkt, einige von ihnen aber auch lebendige Praktiken, insbesondere jene, die mit dem lokalen und traditionellen Handwerk zu tun haben. Bräuche und Rituale werden so zur Gelegenheit, um gemeinsame Erfahrungen machen zu können. Das Ergebnis ist ein kulturell geprägter Gemeinschaftsraum. Diese "Akupunkturen" sollen ein Bewusstsein schaffen für traditionelle Lebensformen, aber auch zeigen, wie ein Museum in der Zukunft aussehen könnte ...

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Student*in:

Student*in:

Referat 17

Afrika ist das neue Museum

Kunlé Adeyemi

Ein schwimmendes Museum? In der Welt des afrikanischen Architekten Kunlé Adeyemi ist das möglich. Der 46-Jährige ist Gründer von NLÈ, einem Büro, das sich spezialisiert hat auf sensible, urbane Interventionen in den wachsenden afrikanischen Metropolen. Adeyemi betreibt Büros in Lagos und zu Hause in den Niederlanden, wo er anfangs noch auf der Seite von Rem Koolhaas in Museumsprojekte eingebunden war. Das Wasser, oder mehr noch das Vorbild und die Methoden jener Menschen, die gezwungen sind, sich auf dem Wasser einzurichten, haben den Architekten zu einer regelrechten Epiphanie der leistbaren und nachhaltigen Architektur geführt. In Afrika ist man gezwungen, aus weniger mehr zu machen. Das hat zu einer - in den Worten Adeyemis - "menschlichen Infrastruktur" geführt. Der afrikanische Kontinent bietet neue Ansätze, nicht nur, um über den physischen Raum eines Museums nachzudenken, sondern auch über Programm und Organisation eines Museums. Adeyemi meint, ein Museum sollte ein Ort des Informellen sein, der Flexibilität, der Verwurzelung und ständiger Überraschungen - mit einer passenden Architektur dafür. Was können wir von Afrika lernen?

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Student*in:

Student*in: Alexander Sannes Thorsen

Referat 18

Ein Laboratorium von Dingen, die darauf warten, entdeckt und erkundet zu werden

Winy Maas

In Rotterdam wurde vor kurzem das "Museum Boijmans Van Beuningen" eröffnet. Dazu gehört ein revolutionäres Nebengebäude, das als das erste öffentlich zugängliche Kunstlager der Welt bezeichnet wird. Das mit reflektierendem Glas verkleidete Depot, das hoch über dem Boden - und dem künftig steigenden Meeresspiegel - thront, bietet ungehinderten Zugang zu den Sammlungsobjekten des Museums und ermöglicht gleichzeitig Einblicke in die Konservierungs- und Forschungstätigkeiten des Museums. Der bauchige Innenraum des Depots mit seinen vierzehn Lagerabteilen und fünf Klimazonen ist nicht nur visuell beeindruckend. Es ist auch eine ernsthafte Herausforderung für den konventionellen Museumsbau. Das Depot überlässt die Verantwortung den Besuchern, die sich ihre eigenen Wege durch die Sammlung bahnen und die Objekte nach Belieben betrachten können. Dieser neue Ansatz entspringt der Vorstellungskraft von Winy Maas und seinen Kollegen von MVRDV, einem Büro, das sich dem Bau "innovativer sozialer, grüner, realistischer und bemerkenswerter Architektur für eine sich verändernde Welt" widmet.

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Student*in: Fleur Niemeijer

Student*in: Ivanna Papushenko

T9_ MO 30.10.2023

12.00 Uhr - 14.00 Uhr

Ort: SR Baugeschichte

Referat 19

Der Kreis schließt sich

Kabage Karanja & Stella Mutegi

In Afrika ist das Museum ein Problem. Es ist eine Institution, die aus der Perspektive der Kolonialherren entstanden ist. Im Kontext des Kolonialismus erscheint das Museum nicht als harmlose Einrichtung, in der einfach schöne Objekte ausgestellt werden. Kulturgeschichtlich betrachtet hatte Afrika nie Museen, sondern Artefakte, Rituale und Objekte, die nicht für die Ausstellung gedacht waren. »Museum« ist für Afrika fast ein Fremdwort. Kabage Karanja und Stella Mutegi, die in Nairobi das Cave-bureau betreiben, antworten mit ihrer Vision eines Museums der Zukunft auf die dringenden Herausforderungen unserer Zeit. Die Höhle ist für sie der zentrale Rückzugsort, der eine neue Perspektive und Heilung verspricht. Das »Anthropozän-Museum« kommt ganz ohne Gebäude aus, denn es geht um eine kuratorische Praxis, welche die lokale Gemeinschaft zusammenführt, um ihre dringenden Probleme zu diskutieren.

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Student*in: Philippe Matei

Student*in:

Referat 20

Natur ist zu allen Zeiten das perfekte Museum

Eduardo Neira

In Zeiten der Krise wird es immer unwahrscheinlicher, Museen als unveränderliche Institutionen zu planen, die wie Bollwerke in der Zeit stehen. András Szántó spricht mit Eduardo Neira von "Roth Architecture" über seine Projekte im Dschungel von Yukatan. Neira sieht den Urwald als eine kulturelle Sphäre, die alle westlichen Konventionen sprengt. Der Besucher zieht seine Schuhe aus, bevor er das aus rudimentären Materialien errichtete “Museion” betritt. Der wellenförmige Struktur liegt kein Plan zugrunde, sie folgt einfach den Konturen der Baumkronen. Sie ist das Ergebnis von intuitiver Kreativität und Spiel. Vielleicht verbirgt sich darin auch ein Ansatz, um auf beides, die Krise der Natur und der Institution Museum, reagieren zu können.

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Student*in: Fabian Kirchmair

Student*in: Sebastian Jäger