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Lehre

ArchPhilo WS 2023-24 / Das Museum könnte ein Weckruf sein

Bjarke Ingels Projekte werden oft von einer großen Idee angetrieben, die den Zweck des Gebäudes ausdrückt. So schaut das Musée Atelier Audemars Piguet, ein Uhrenmuseum, aus wie die Spiralfeder einer Uhr. Das Gebäude ist Ausdruck und Symbol. Es ist Ausstellung. Ingels sieht seine Arbeiten in der Tradition der Guggenheim-Museen, meint aber, dass es ihm gelinge, Form und Inhalt zur Deckung zu bringen. Für das Museum der Zukunft hat er große Visionen: Das Museum soll engagierter und demokratischer sein. Das Museum ist Avantgarde, nicht nur künstlerische, sondern auch soziale. Als Experimente, die ein kleines, pragmatisch umgesetztes Stück Utopie in die Tat umsetzen, reichen Museen weit in die Zukunft hinein. Diese Wirkung kann weit über die Dimensionen eines Gebäudes hinausgehen. Sie entsteht aus neuen Allianzen, auch für die Natur. Darin sieht Ingels die wahre Macht der Museen in Bezug auf ihre Wirkung in der Welt
19.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein Kreis schließt sich

In Afrika ist das Museum ein Problem. Es ist eine Institution, die aus der Perspektive der Kolonialherren entstanden ist. Im Kontext des Kolonialismus erscheint das Museum nicht als harmlose Einrichtung, in der einfach schöne Objekte ausgestellt werden. Kulturgeschichtlich betrachtet hatte Afrika nie Museen, sondern Artefakte, Rituale und Objekte, die nicht für die Ausstellung gedacht waren. »Museum« ist für Afrika fast ein Fremdwort. Kabage Karanja und Stella Mutegi, die in Nairobi das Cave-bureau betreiben, antworten mit ihrer Vision eines Museums der Zukunft auf die dringenden Herausforderungen unserer Zeit. Die Höhle ist für sie der zentrale Rückzugsort, der eine neue Perspektive und Heilung verspricht. Das »Anthropozän-Museum« kommt ganz ohne Gebäude aus, denn es geht um eine kuratorische Praxis, welche die lokale Gemeinschaft zusammenführt, um ihre dringenden Probleme zu diskutieren.
19.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Eine Landschaft von Möglichkeiten und Aktivitäten

Stefan Schütz von gmp spricht über seine Vision eines Museums der Zukunft. Das Museum wird nicht mehr nur ein Container für Kunst und Ausstellungen sein, sondern zuallererst ein Ort für Menschen. Die Besucher sollten das Programm des Museums mitgestalten können, deshalb braucht es Räume für vielfältige Formen der Partizipation (coworking-spaces, labs, maker spaces, workshops usw.) und der Aktivierung. Die Menschen werden andere Erwartungen in das Museum setzen als wir es heute tun, das sollten wir beim Entwurf eines Museums mitdenken. Flexibilität ist ein wichtiges Kriterium, wie auch Transparenz und Offenheit. Letztere bedeuten nicht nur, dass man Glasfassaden einsetzt, sondern dass man verschiedene Aktivitäten zulässt. Das Museum sollte für Schütz wie ein städtisches Wohnzimmer für alle sein, mit Sofas statt harter Ecken, mit Pflanzen und großzügigen Aufenthaltsbereichen. Die radikale Öffnung und Demokratisierung des Museums wird auch dazu führen, dass es viel weiter in seine Umgebung hineinreichen wird, gleichzeitig wird das Museum der Zukunft noch mehr im lokalen Kontext verankert sein.
18.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Es ist eine Herausforderung, für ein bewegliches Ziel zu entwerfen

Wie können Architekten Museen bauen, auf die wir auch noch in fünfzig Jahren nicht verzichten möchten? Um unverzichtbar zu sein, muss man das Museum nicht als Luxusgut sehen, sondern als eine gemeinsame Notwendigkeit. Es sollte alle Menschen einladen. Es könnte auch dezentralisiert sein, mit Satelliten, die über die ganze Stadt zerstreut sind. Es sollte kein isolierter Silo sein, sondern Teil einer kulturellen Infrastruktur, die wiederum verknüpft ist mit Erziehung und den nicht-visuellen Kunstformen - und zum Rathaus, denn das Museum braucht den Einfluss auf die Politik. Es könnte verbunden sein mit anderen Teilen der Welt, ein kultureller Hub, weltweit vernetzt mit anderen, um einen Diskurs ins Leben zu rufen, der nicht von der Geografie begrenzt wird. Vielleicht sollte das Museum kein Ding sein, sondern ein System. Und es sollte eine große Bar haben, ein Ort sein, wo man etwas essen kann, trinken, rumhängen kann, 24 Stunden am Tag.
18.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Das Museum als Spielplatz für alle.

Asien ist ein fruchtbarer Boden für Museen. In Korea hat die Demokratisierung der Gesellschaft zu einer stärkeren Konzentration auf die Kunst geführt, die sich vom Staat emanzipiert und ein breites Spektrum entwickelt hat, das von Grassroot-Bewegungen bis hin zu öffentlichen Museen reicht. Minsuk Cho, der bei OMA gearbeitet hat, steht im Zentrum dieser Entwicklung. Er erläutert im Gespräch mit András Szántó seine Vision des Museums der Zukunft. Obwohl man im Fall von Korea gerne an eine hochdigitalisierte Kultur spricht, distanziert sich der Architekt vom "Algorithmen-Ghetto" uns sieht das Potential der Architektur darin, starke Empfindungen mit einfachen Mitteln zu schaffen. Museen sollten in der Zukunft noch partizipativer und mehr noch eine öffentliche Plattform oder eine Spielwiese für das Erlernen neuer Dinge werden. Anstatt in die Schule zu gehen, wird man in Zukunft in Museen gehen, wo es einen immersiven Raum gibt, an dem jeder teilnehmen kann
17.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Architektur sollte ein Jahrhundert der Ideen beherbergen.

Das junge Büro SO-IL von Jing Liu und Florian Idenburg widmet sich unter anderem neuartigen Museumsprojekten, die sich vom Top-down-Ansatz deutlich unterscheiden. Ihr Projekt "Armant" schafft in einem Block in Brooklyn eine Situation der "Porosität", von schwellenartigen Übergängen und neuen Nachbarschaften, um das Museum in den Kontext zu erweitern. Die beiden suchen nach pluralistischen, offenen und lokal verankerten Lösungen und nach keinem Modell, das überall repliziert werden kann. Das Museum ist kein Schraubenzieher mehr, sondern ein Schweizer Armeemesser, eine Werkzeugskiste, die verschiedenste Lösungen ermöglicht und auch verschiedene Geschichten gleichzeitig an einem Ort erzählt. Mit ihrer Architektur versuchen sie eine Antwort zu geben auf die Frage, wie man in einer zunehmend instabilen Welt etwas stabil halten kann.
15.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Subtilität muss nicht banal sein

2018 hat Frida Escobedo einen Pavillon für die "Serpentine Galleries" in London entworfen. Sie war die jüngste Architektin, die jemals von der Kommission den Auftrag dafür erhalten hat. Ihre Struktur, die teils Innenhof, teils Skulptur und teils Labyrinth war, verwischte die Grenzen zwischen Innen und Außen, Neuem und Historischem sowie globalem und mexikanischem Designvokabular. Sein Hauptmerkmal war eine reich strukturierte Porosität, die dem hellen Pavillon einen Hauch von Zugänglichkeit und Faszination verlieh. Porosität ist ein Konzept, das man in der Architektur mit der Transparenz vergleichen kann. Allerdings erlaubt die Porosität nie einen vollständigen Zutritt, sondern öffnet und schließt in graduellen Abstufungen, sie macht den Raum auf eine raffinierte Art und Weise erlebbar, indem sie Dinge langsam enthült oder den Raum erst langsam öffnet in der Bewegung.
15.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Eine Oase kann dein Leben retten

Brasilien verfügt über ein erstaunliches Erbe der Moderne. Ein Museum sticht heraus, das "Museu de Arte de Sao Paulo" von Lina Bo Bardi, das im Stile des Brutalismus, mit viel Glas und Beton, errichtet wurde. Die Galerien des Museums sind vom Boden abgehoben, die 70 Meter lange Spannweite ist ebenso beeindruckend wie die Tatsache, dass die Fläche unter dem Gebäude frei bespielbar ist und es dem Alltagsleben erlaubt, sich ungehindert unter der Institution des Museums auszubreiten. Für Generationen von Architekten mit sozialen Ansprüchen ist dieses Gebäude ein Meilenstein. Die "Arquitetos Associatos" gehören dazu. Paula Zasnicoff Cardoso und Carlos Alberto Maciel haben selbst eine Reihe von spektakulären Musemsbauten entworfen. Sie sprechen über das Gebäude von Lina Bo Bardi und erläutern, wie es ihre Idee des Museums als "Plattform der Freiheit" beeinflusst hat.
14.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein Garten voller Ideen und Geschichten

Kulapat Yantrasast ist der Gründer von WHY Architects, die weltweit operieren und schon viele Museumsprojekte realisiert haben. Es geht ihm zufolge beim Museumsbau nicht mehr um eine Architektur der Aufmerksamkeit (look-at-me), sondern um eine radikal soziale Komponente, die dadurch entsteht, dass der Architekt sich auf Leben und Kultur der Menschen einlässt, für die er baut. Der Architekt sollte keine Primadonna sein, sondern ein feinfühliger Dirigent, der die Stimmen des Orchesters zusammenführt. Hardware und Software des Museums haben sich in den letzten Jahren geändert. In Zukunft wird es noch mehr darum gehen, das Programm zu mixen, "pocket-spaces" in das Museum zu integrieren, die Ort der Reflexion, des Tagträumens und der Interaktion sind. Das Museum der Zukunft wird nicht mehr nur ein Tempel sein, der Zeitlosigkeit und Spiritualität von Kunst vermittelt, sondern ein Ort der Empathie und des Friedens.
11.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein offenes Feld der Akzeptanz

Das "Haus der Musik" in Budapest von Sou Fujimoto ist ein rundes Gebäude inmitten des Stadtparks. Ein Haus für die Musik wird für die Kunst der Klänge gebaut, der Architekt geht einen Schritt weiter in Richtung Natur und beschreibt es als eine "Klangwelle, die in den Baumkronen hängt". Bei Fujimotos Pavillon umhüllt eine vieldeutige Form den Klangraum, der es gelingt, Natur und Architektur zu versöhnen. Einige Bäume stehen nahe an der Glasfassade, andere brechen die Dachfläche auf und erzeugen eine pilzartige, löchrige Dachhaut. Es sollten möglichst viele Bäume erhalten werden, um ihnen Raum zu geben und sie durchs Dach wachsen zu lassen. Die etwa 100 Löcher machen aus dem Dach den Hut eines Schirmpilzes, der die Grenze zwischen dem Gebäude und dem Grünraum kaum noch erahnen lässt. Tritt man unter das Klangwellendach, so ist man vom golden schimmernden Blattwerk an seiner Unterseite überwältigt. Der Pavillon ist sensibel in den kulturellen Raum eingebettet und zugleich eine Hommage an die Natur.
10.08.2023

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