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Lehre

ArchPhilo WS 2023-24 / Architektur sollte ein Jahrhundert der Ideen beherbergen.

Das junge Büro SO-IL von Jing Liu und Florian Idenburg widmet sich unter anderem neuartigen Museumsprojekten, die sich vom Top-down-Ansatz deutlich unterscheiden. Ihr Projekt "Armant" schafft in einem Block in Brooklyn eine Situation der "Porosität", von schwellenartigen Übergängen und neuen Nachbarschaften, um das Museum in den Kontext zu erweitern. Die beiden suchen nach pluralistischen, offenen und lokal verankerten Lösungen und nach keinem Modell, das überall repliziert werden kann. Das Museum ist kein Schraubenzieher mehr, sondern ein Schweizer Armeemesser, eine Werkzeugskiste, die verschiedenste Lösungen ermöglicht und auch verschiedene Geschichten gleichzeitig an einem Ort erzählt. Mit ihrer Architektur versuchen sie eine Antwort zu geben auf die Frage, wie man in einer zunehmend instabilen Welt etwas stabil halten kann.
15.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Subtilität muss nicht banal sein

2018 hat Frida Escobedo einen Pavillon für die "Serpentine Galleries" in London entworfen. Sie war die jüngste Architektin, die jemals von der Kommission den Auftrag dafür erhalten hat. Ihre Struktur, die teils Innenhof, teils Skulptur und teils Labyrinth war, verwischte die Grenzen zwischen Innen und Außen, Neuem und Historischem sowie globalem und mexikanischem Designvokabular. Sein Hauptmerkmal war eine reich strukturierte Porosität, die dem hellen Pavillon einen Hauch von Zugänglichkeit und Faszination verlieh. Porosität ist ein Konzept, das man in der Architektur mit der Transparenz vergleichen kann. Allerdings erlaubt die Porosität nie einen vollständigen Zutritt, sondern öffnet und schließt in graduellen Abstufungen, sie macht den Raum auf eine raffinierte Art und Weise erlebbar, indem sie Dinge langsam enthült oder den Raum erst langsam öffnet in der Bewegung.
15.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Eine Oase kann dein Leben retten

Brasilien verfügt über ein erstaunliches Erbe der Moderne. Ein Museum sticht heraus, das "Museu de Arte de Sao Paulo" von Lina Bo Bardi, das im Stile des Brutalismus, mit viel Glas und Beton, errichtet wurde. Die Galerien des Museums sind vom Boden abgehoben, die 70 Meter lange Spannweite ist ebenso beeindruckend wie die Tatsache, dass die Fläche unter dem Gebäude frei bespielbar ist und es dem Alltagsleben erlaubt, sich ungehindert unter der Institution des Museums auszubreiten. Für Generationen von Architekten mit sozialen Ansprüchen ist dieses Gebäude ein Meilenstein. Die "Arquitetos Associatos" gehören dazu. Paula Zasnicoff Cardoso und Carlos Alberto Maciel haben selbst eine Reihe von spektakulären Musemsbauten entworfen. Sie sprechen über das Gebäude von Lina Bo Bardi und erläutern, wie es ihre Idee des Museums als "Plattform der Freiheit" beeinflusst hat.
14.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein Garten voller Ideen und Geschichten

Kulapat Yantrasast ist der Gründer von WHY Architects, die weltweit operieren und schon viele Museumsprojekte realisiert haben. Es geht ihm zufolge beim Museumsbau nicht mehr um eine Architektur der Aufmerksamkeit (look-at-me), sondern um eine radikal soziale Komponente, die dadurch entsteht, dass der Architekt sich auf Leben und Kultur der Menschen einlässt, für die er baut. Der Architekt sollte keine Primadonna sein, sondern ein feinfühliger Dirigent, der die Stimmen des Orchesters zusammenführt. Hardware und Software des Museums haben sich in den letzten Jahren geändert. In Zukunft wird es noch mehr darum gehen, das Programm zu mixen, "pocket-spaces" in das Museum zu integrieren, die Ort der Reflexion, des Tagträumens und der Interaktion sind. Das Museum der Zukunft wird nicht mehr nur ein Tempel sein, der Zeitlosigkeit und Spiritualität von Kunst vermittelt, sondern ein Ort der Empathie und des Friedens.
11.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein offenes Feld der Akzeptanz

Das "Haus der Musik" in Budapest von Sou Fujimoto ist ein rundes Gebäude inmitten des Stadtparks. Ein Haus für die Musik wird für die Kunst der Klänge gebaut, der Architekt geht einen Schritt weiter in Richtung Natur und beschreibt es als eine "Klangwelle, die in den Baumkronen hängt". Bei Fujimotos Pavillon umhüllt eine vieldeutige Form den Klangraum, der es gelingt, Natur und Architektur zu versöhnen. Einige Bäume stehen nahe an der Glasfassade, andere brechen die Dachfläche auf und erzeugen eine pilzartige, löchrige Dachhaut. Es sollten möglichst viele Bäume erhalten werden, um ihnen Raum zu geben und sie durchs Dach wachsen zu lassen. Die etwa 100 Löcher machen aus dem Dach den Hut eines Schirmpilzes, der die Grenze zwischen dem Gebäude und dem Grünraum kaum noch erahnen lässt. Tritt man unter das Klangwellendach, so ist man vom golden schimmernden Blattwerk an seiner Unterseite überwältigt. Der Pavillon ist sensibel in den kulturellen Raum eingebettet und zugleich eine Hommage an die Natur.
10.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Alles ist sensibilisiert

Das Neue Museum in Berlin wurde von David Chipperfield revitalisiert. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war es eine Ruine und Zeugnis einer traumatischen Vergangenheit. Wie geht man mit der Geschichte um? Wie schafft man ein neues Narrativ aus Krieg, Wiederaufbau und Moderne? Als deutlich wurde, dass Museumsarchitektur als Bedeutungsträger weit über den reinen Musenkult hinausgeht, schieden sich die Geister. Was tun? Die Antwort von Chipperfield fiel eindeutig und überzeugend aus: Zwischen 2003 und 2009 ließ er das Haus so umbauen und wiederherstellen, dass zwar die „historische Silhouette“ und das „originale Bauvolumen“ sichtbar, die Spuren der Zerstörung jedoch erhalten geblieben sind. Alt und Neu lassen sich voneinander unterscheiden. Im Rahmen seiner "kritischen Rekonstruktion" fasste der Architekt die Backsteinziegelwände, Stuccos und zahlreichen anderen Wunden der Geschichte zu einer ganz eigenen Sammlung zusammen. Das Resultat ist ein Hybrid aus Denkmal und Museum.
07.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Ein Laboratorium von Dingen, die darauf warten entdeckt und erkundet zu werden

In Rotterdam wurde vor kurzem das "Museum Boijmans Van Beuningen" eröffnet. Dazu gehört ein revolutionäres Nebengebäude, das als das erste öffentlich zugängliche Kunstlager der Welt bezeichnet wird. Das mit reflektierendem Glas verkleidete Depot, das hoch über dem Boden - und dem künftig steigenden Meeresspiegel - thront, bietet ungehinderten Zugang zu den Sammlungsobjekten des Museums und ermöglicht gleichzeitig Einblicke in die Konservierungs- und Forschungstätigkeiten des Museums. Der bauchige Innenraum des Depots mit seinen vierzehn Lagerabteilen und fünf Klimazonen ist nicht nur visuell beeindruckend. Es ist auch eine ernsthafte Herausforderung für den konventionellen Museumsbau. Das Depot überlässt die Verantwortung den Besuchern, die sich ihre eigenen Wege durch die Sammlung bahnen und die Objekte nach Belieben betrachten können. Dieser neue Ansatz entspringt der Vorstellungskraft von Winy Maas und seinen Kollegen von MVRDV, einem Büro, das sich dem Bau "innovativer sozialer, grüner, realistischer und bemerkenswerter Architektur für eine sich verändernde Welt" widmet.
05.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Unsere Geheimwaffe ist die Natur

An einem ruhigen Strand, in der nordchinesischen Bohai-Bucht, liegt das "UCCA Dune Art Museum" der Architekten Li Hu & Huang Wenjing vom Team OPEN Architecture. Es ist in den Sand eingegraben und verschwindet unter der sanften Graslandschaft der Sanddünen, die der Wind entlang des Ufers angehäuft hat. Inspiriert von Kindern, die dort Löcher in den Sand graben, haben sich die Architekten dafür entschieden, einen Großteil der Ausstellungsflächen unterirdisch in Form einer großen Katakombenlandschaft anzulegen. Andere Projekte der beiden Architekten sind der futuristische "Sun Tower" oder "Tank Shanghai", mit denen sie alles in Frage stellen, was bis dahin als Museum galt ...
04.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Das Museum als Ort der Freiheit

Lina Ghotmeh ist die Architektin des Estischen Nationalmuseums in Tartu. Anstatt das Gebäude auf dem vorgeschlagenen Gelände zu errichten, entschied sich ihr Team DGT für eine nahe gelegene ehemalige sowjetische Militärbasis als Bauplatz. Diese Ruine klaffte wie die Wunde einer schmerzhaften Geschichte auf. Ghotmeh lud dazu ein, sich an einem stark belasteten, gleichzeitig aber auch räumlich einzigartigen Ort mit der eigenen Erinnerung auseinanderzusetzen. Sie möchte das Museum zu einem Ort der lebendigen Erinnerung machen. Optisch beeindruckt das Gebäude, weil es das Startfeld des Flughafens verlängert, indem sich die riesige Dachfläche an einer Seite abhebt und in die Richtung eines "unendlichen Raumes" auszudehnen scheint. Unter dem gigantischen Dach entsteht so der Raum für ein neues, empathisches, großzügiges und zugleich sensibles Kollektiv.
03.08.2023

ArchPhilo WS 2023-24 / Museen sind der Ausgangspunkt einer Reise

Für Ma Yansong, einem der bekanntesten chinesischen Architekten der jüngeren Generation, ist das Museum "nothing if not futuristic". Er verleiht damit der Idee der "surreality" einen Ausdruck, also dem Gedanken, dass ein Museum dem Besucher stets eine Reise ins Außergewöhnliche ermöglicht. Das Museum ist ein Ort des Eskapismus, der Flucht von der Realität in eine andere Welt, die sich gänzlich vom Alltag und seinen Routinen unterscheidet. Ma Yansong spricht sich damit nicht für eine Architektur des Spektakels aus. Auch kleine Museumsbauten können Menschen in neue spirituelle Welten führen. Das Museum ist auch in dem Sinne "sur-real", als es immer Alternativen zum Bestehenden anbietet. In einer Zeit, die sich ganz dem Nutzen verschrieben hat, bedeutet das, dass ein Museum ein Ort ist, der den Menschen mit Fantasie und Inspiration Flügel verleiht.
31.07.2023

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