365-Heustadel-Museum / Teil 2: Diagramm & Assemblage
Wie macht man aus den rund 350 weit verstreuten Heustadeln im Gschnitztal, die ein Relikt der Vergangenheit sind, ein neuartiges Museum? Eine Möglichkeit ist die Assemblage, auf die man in der Architektur häufig setzt, wenn es darum geht, etwas in der Zukunft fortzusetzen, ohne seine Identität zu verlieren. Mit ihr verbunden sind die Metaphern von Mosaik, Patchwork, Heterogenität, Fluidität und temporärer Konfiguration. Die Assemblage ist für unsere Zeit relevant, weil sie die vielfältigen Mixturen kultureller, technischer und sozialer Praktiken in den Fokus rückt, das Recycling des Bestandes und einen alternativen Begriff von Landschaft. Sie dechiffiert das Territorium und codiert es neu. Das ist wichtig, weil wir neue räumliche Bezüge brauchen und weil wir Narrative herstellen müssen, um unsere Welt weiter zu erzählen, zu verändern und zu gestalten. Ein Museum muss das können und nicht nur das Vorhandene abbilden. Im Falle der Heustadel ist das Vorhandene so unscheinbar, dass es von vielen gar nicht wahrgenommen wird. Einige Stadel sind neu, viele verfallen, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Man kann aus ihnen Seismographen machen, in denen sich die Transformation der alpinen Landschaft spiegelt, aber auch Bausteine für die Zukunft. Weil die Heustadel leicht abgebaut und versetzt werden können, ermöglichen sie immer neue Konfigurationen. Das führt zum offenen und dynamischen Prozess der De- und Reterritorialisierung, der für ein Museum unüblich ist, weil es auf diese Weise das Territorium des »Hauses« verlässt und sich in steile Höhen vorwagt. Dann entsteht etwas in einem Raum, in dem man kein Museum erwarten würde. Schon gar keines, das neu ist, obwohl es gar nicht neu sein möchte ...
03.10.2025